Das letzte, das bleibt

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Ophelia
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Das letzte, das bleibt

Beitragvon Ophelia » 24.04.2013, 20:26:18

Meine erste FF, ich hoffe sehr, sie kommt an, da ich seit 5 Jahren selbst schreibe und schon unzählige Manuskripte fertig, aber noch nicht den Mut dazu habe, sie auch einzusenden...
Kurze Erklärung: eine Szene zwischen "Ewigkeit" und "Unstillbare Gier", aus der Sicht des Grafen, in der er sich Gedanken über sein Treffen mit Sarah in seinem Schloss und seiner eigenen Existenz macht.
Die Rechte an Namen etc. bleiben natürlich bei Polanski bzw. Jim Steinman.

Das letzte, das bleibt
Die Nacht war kalt und klar, sternfunkelnder Himmel. Nur am Horizont die Ahnung von dicht ballenden Wolken. Der Graf stand zwischen zwei Säulen, die die steinerne Balustrade mit der Decke verbanden, und starrte hinaus in die Dunkelheit. Totale Finsternis, ging es ihm durch den Kopf. Sein erstarrtes Herz schien sich bei diesen Worten zusammenzuziehen, bei dem Echo ihrer Stimme in seinen Gedanken, dem Geruch ihres Blutes, der immer noch irgendwie an ihm zu haften schien. – Nein, nicht an ihm; ihr Duft erfüllte alles, die Luft, die Kleider, selbst die Steine schienen ihn eingesogen zu haben wie ein gut erhaltenes Aroma. Wütend ballte er die Hand, die an einer der Säulen lag, zur Faust, bis ihm die langen Nägel in die Haut schnitten. Ihr Blut. Das war das einzigste, an das er denken konnte. Nicht an ihre Augen, die der Nacht so ähnlich waren, oder den Glanz darin, der beides verkündete, Furcht und Faszination.
Blut.
Alles, was seine Existenz noch ausmachte. Töten, das letzte, das ihm von seinen zahlreichen Fähigkeiten geblieben war. Und die Gier… Das letzte Gefühl, das er sich hatte bewahren können, ohne es zu wollen. Wie ein schleichendes Gift floss sie durch seine ausgetrockneten Adern, verseuchte die letzten Reste seiner Seele und umhüllte sein Herz wie ein Schatten, endlos schwarz und dicht, bis der letzte Funken Liebe erlosch.
Liebe… Wann hatte er gemerkt, dass sie nicht mehr war? Noch Jahre nach seiner Verwandlung war er ihr nachgejagt. Unzählige Frauen ruhten in verstaubten Särgen, ihre Schönheit einem zerbrochenen Spiegel gleich.
Am Himmel breiteten sich die Wolken aus, und beinahe war ihm, als könne er sie spüren – Finsternis, die in ihn drang. Ein fahler Mondstrahl beleuchtete den Innenhof seines Schlosses. Verrottete Mauern. Zerbrochene Fenster. Die Nacht verbarg das Hässliche, das hatte er sich schon seit langem zu nutzen gemacht.
Auf dem Hof bewegte sich etwas, und der Graf beugte sich vor. Ein Sargdeckel wurde zurück geschoben. Stein auf Stein. Es klang, als ob die Nacht selbst sich freuen würde. Gegen seinen Willen verzogen seine Lippen sich zu etwas, das ein Lächeln sein mochte. Er spürte das Gift pulsieren und die Gier, die ihn schonungslos vorantrieb, während seine Brüder und Schwestern sich zum Festmahl versammelten.
Ewigkeit… Er ließ sich fallen, kämpfte nicht länger gegen sie an, breitete die Arme aus und hieß sie willkommen, während die Wolken den Mond verdeckten, als ob selbst der ihn fürchtete: die unstillbare Gier.
Was ich rette, geht zu Grund
Was ich segne muss verderben
Nur mein Gift macht dich gesund
um zu leben musst du sterben

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andromeda
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Re: Das letzte, das bleibt

Beitragvon andromeda » 12.12.2013, 23:36:51

wow.. nur wow, mir gefalt es so viel, echt schon! :) wurde auch gern mehr davon lesen, schreiben sie noch? :D


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